Italienischer fußball in der krise: gravina tritt zurück – wm-qualifikation scheitert zum dritten mal in folge
Der italienische fußball befindet sich am Tiefpunkt. Nach dem enttäuschenden Ausscheiden gegen Bosnien-Herzegowina ist Verbandspräsident Gabriele Gravina zurückgetreten. Dies ist der dritte WM-Qualifikationsfehler in Folge für die vierfachen Weltmeister und löst eine Welle der Empörung aus.
Nach dem scheitern in bosnien: gravina verlässt das amt
Die Nachricht vom Rücktritt des langjährigen Verbandschefs kam nur wenige Tage, nachdem Italien in einer dramatischen Playoff-Niederlage gegen Bosnien-Herzegowina die Qualifikation für die Fußballweltmeisterschaft 2026 verpasst hatte. Die Kritik an Gravina war in den letzten Monaten bereits zugenommen, insbesondere angesichts der wiederholten sportlichen Rückschläge. Nun ist die Konsequenz da: Der 72-Jährige trat nach einem kurzfristig einberufenen Meeting mit sofortiger Wirkung von seinem Posten zurück. Seine Nachfolge soll am 22. Juni während der Weltmeisterschaft in Nordamerika geregelt werden.
„Es ist eine Schande für den italienischen fußball“, so die deutlichen Worte von ehemalige Nationaltrainer Fabio Capello. „Wir sprechen hier von einem viermaligen Weltmeister. Das ist eine sportliche Tragödie.“ Die Stimmung im Land ist gedrückt, die Frage nach der Zukunft des Azzurri-Teams steht im Raum.
Die politische Reaktion auf das Desaster ist prompt. 40 Senatoren aus Regierungskoalition und Opposition haben einen Antrag eingebracht, der Bundeskanzlerin Giorgia Meloni auffordert, das Parlament dringend über den Zustand des italienischen Fußballs zu informieren. Sportminister Andrea Abodi forderte bereits seit längerem Gravinas Rücktritt und betonte die Notwendigkeit einer grundlegenden Neuausrichtung des Verbands.

Strukturelle probleme und finanzielle schwierigkeiten
Der Rücktritt von Gravina ist jedoch nur ein Symptom eines tiefer liegenden Problems. Italien kämpft seit Jahren mit strukturellen Defiziten im fußball. Viele Stadien entsprechen nicht mehr modernen Standards, und es gibt nur eine geringe Anzahl von U-23-Teams in den Serie-A-Vereinen. Finanzielle Probleme plagen viele Klubs. Ein konkreter Vorschlag zur Umstrukturierung sieht vor, dass Vereine verpflichtet werden, mindestens vier italienische Spieler über die gesamte Spielzeit einzusetzen.
UEFA-Präsident Aleksander Ceferin sieht die politische Einflussnahme als Kernproblem. „Vielleicht sollten sich italienische Politiker fragen, warum Italien eine der schlechtesten fußball-Infrastrukturen Europas hat“, sagte er. Die fehlende Koordination zwischen Fußballpolitik und regulärer Politik erschwert die Entwicklung des Sports erheblich.
Die Suche nach einem Nachfolger für Gravina ist schwierig. Namen wie Antonio Conte (SSC Napoli) und Massimiliano Allegri (AC Mailand) werden gehandelt, doch die bevorstehende Weltmeisterschaft lenkt den Fokus ab. Die Italienische Fußballföderation (FIGC) muss nun schnell handeln, um das Vertrauen der Fans zurückzugewinnen. Das ist jedoch eine Mammutaufgabe.
Die italienische fußball-Apokalypse ist mehr als nur ein sportlicher Rückschlag. Sie ist ein Schlag ins Gesicht eines ganzen Landes. Die Frage ist nicht, ob Italien wieder Weltmeister werden kann, sondern ob das Land bereit ist, sich der notwendigen Veränderung zu unterziehen.