Fifa-ticketpreise: zwei millionen dollar für den wm-final – ein skandal?
Die Fußballwelt staunt – oder eher: ist empört. Auf der offiziellen FIFA-Weiterverkaufsplattform wurden für das Finale der Weltmeisterschaft in New Jersey geradezu astronomische Preise aufgerufen: fast 2,3 Millionen US-Dollar für einzelne Tickets im Unterrang, hinter einem Tor. Ein Preis, der selbst eingefleischte Fußballfans sprachlos macht und die Frage aufwirft, ob der Weltverband die Leidenschaft für den Sport verrät, um den er sich gibt.
Die fifa kassiert doppelt – und die fans zahlen
Das Problem liegt nicht nur in der Höhe der Preise begründet, sondern auch im Geschäftsmodell der FIFA. Der Weltverband bietet eine offizielle Weiterverkaufsplattform an, auf der Tickets, die im regulären Verkauf nicht zugesichert wurden, weiterverkauft werden können. Hier gibt es keinerlei Regulierung, sodass Verkäufer ihre Preise frei festlegen können. Und die FIFA? Die profitiert doppelt: Sie nimmt 15 Prozent Gebühr sowohl vom Verkäufer als auch vom Käufer. Bei einem Verkauf eines der genannten Finaltickets für 2,3 Millionen US-Dollar würden demnach 690.000 US-Dollar in die Taschen der FIFA fließen – ein empörender Gedanke, wenn man bedenkt, dass viele Fans sich die Karten schlichtweg nicht leisten können.

Mehr als nur teure tickets: ein system der ausbeutung?
Doch der Wahnsinn endet nicht hier. Weitere Angebote für das Endspiel bewegen sich deutlich im fünfstelligen Bereich. Verbraucherschützer und Fanorganisationen haben bereits Ende März eine Beschwerde bei der EU-Kommission eingereicht. Der Eindruck, dass die FIFA hier ein System der Ausbeutung aufgebaut hat, wird immer stärker. Auch die Einführung einer „Ticket-Premiumkategorie“ sorgte kürzlich für erheblichen Aufschrei, wobei Fans der FIFA vorwarfen, sie durch Stadionpläne in die Irre geführt zu haben. Die Frage ist, wie lange sich diese Praxis aufrechterhalten lässt.

Dfb-präsident neuendorf kritisiert – aber sieht trotzdem volle stadien
Auch DFB-Präsident Bernd Neuendorf sieht die Preispolitik der FIFA kritisch. „Die Ticketpreise sind sehr, sehr hoch. Das ist auch nichts, was wir begrüßen“, betonte er gegenüber dem SID. Obwohl er davon ausgeht, dass die Stadien bei der WM in Nordamerika ausverkauft sein werden, räumte er ein, dass es in Teilen der Fanszene „eine große Verärgerung“ gibt. Interessant ist, dass die meisten Bestellungen aus Mexiko, Kanada, den USA und – an vierter Stelle – Deutschland kommen. Die Begeisterung ist also offenbar ungebrochen, trotz der immensen Kosten.
Die FIFA scheint sich mit der Kritik wenig anzupassen. Es bleibt zu hoffen, dass der Druck von Fans und Verbänden zu einer Kurskorrektur führt, bevor der Fußball endgültig zum reinen Geschäft für die Superreichen verkommt. Die Liebe zum Spiel darf nicht an den Geldbeutel gekoppelt werden.