Tour de france: lipowitz will nach vorne schauen
Florian Lipowitz genießt seine Ruhepause in der zweiten Tourwoche unbeschwert, nachdem er sich mit seinem Team Red Bull die ersten neun Renntage durch die sengende Hitze Frankreichs erkämpft hat.

Forderungen an die mannschaft
Im Interview mit SPORT1 kündigt Lipowitz an, dass die Red Bull-Elite in der kommenden Woche an den Start geht, um die Podestplätze und die Rolle der Kapitänschaft zwischen ihm und Remco Evenepoel zu klären. „Es war schon ein harter Tour-Start, von Anfang an“, so der 25-jährige Ulmer. „Aber wir können so weit happy sein. Jetzt kommen schwere Etappen, dann wird sich das Gesamtklassement langsam sortieren.“
Lipowitz' Aussagen klingen optimistisch, aber die Fakten sprechen eine andere Sprache. In den ersten neun Etappen war sein Team mangels effektiver Unterstützung für die Kapitäne immer wieder pleite. Während Favoriten wie Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard von ihrem Domestiken-Team umrahmt wurden, mussten Lipowitz und Evenepoel oft auf sich allein gestellt bleiben.
Das Problem ist, dass Red Bull die Mannschaftsstruktur für die Tour de France falsch eingeplant hat. Jai Hindley, als wichtiger Bergläufer vorgestellt, nachließ mit Jan Tratnik als Nächstbestem mit 17 Minuten Rückstand auf dem Ziel. Im Hochgebirge kann das Team deshalb kaum unterstützen. „Es hat doof ausgeschaut, das haben wir uns anders vorgestellt“, meinte Teamchef Ralph Denk und gab den Fahrern und sportlichen Leitungen auf dem Ruhetag als Hausaufgabe: „Darüber müssen wir reden.“
Die Kritik kommt auch von der Tour-Legende Jens Voigt, der in einem SPORT1-Interview betonte: „Die Doppelkapitänsrolle kann in beide Richtungen gehen. So wie es jetzt ist, sind die Rollen nicht genau geklärt.“ Voigt warnt vor einer Eskalation in der teaminternen Auseinandersetzung zwischen Lipowitz und Evenepoel, die sich in den Pyrenäen in einer scharfen Schelte geäußert hatte. „Solche Themen verschwinden nicht einfach, sondern bleiben im Hintergrund präsent. Egal, was öffentlich gesagt wird“, so Voigt.
Die kommende Woche wird für Red Bull eine Herausforderung. Nach dem Ruhetag beginnt die Phase der schweren Kletteretappen, bei der die Differenzen im Gesamtklassement sich abzeichnen werden. Lipowitz und Evenepoel müssen dann entscheiden, ob sie sich auf ein gemeinsames Vorgehen einigen oder sich in ein Kopf-an-Kopf-Rennen begeben. Einerlei, wie es ausgeht: „Unser Hauptziel ist, das Gelbe Trikot zu verteidigen“, ankündigte Spitzenreiter Pogacar, „aber manchmal ist Angriff die beste Verteidigung.“