St. paulis nachwuchstrainer outet sich: fußball-tabu durchbrochen
St. Pauli U19-Trainer Christian Dobrick hat öffentlich gemacht, dass er schwul ist – und damit ein jahrelanges Versteckspiel im Profifußball beendet. Seine Entscheidung wirft ein neues Licht auf die Homosexualität im deutschen fußball.

„Dieses versteckspiel hat mich zu viel kraft gekostet“
Der 29-Jährige sprach in Interviews mit dem Stern und RTL über die immense Belastung, die mit dem Zurückhalten seiner sexuellen Orientierung verbunden war. Dobrick betont, dass er zwar nicht der Einzige sei, der in der Fußballbranche schwul sei, aber die Angst vor negativen Karrierefolgen viele talentierte Spieler davon abhalte, offen zu leben. „Im Profifußball gelten Schwule noch immer als Außerirdische“, sagte er und kritisierte die heteronormative Denkweise in der Liga.
Ein entscheidender Moment für Dobricks Entscheidung war ein Gespräch mit Jürgen Klopp. Der ehemalige Liverpool-Coach mahnte ihn, für etwas zu stehen und sich selbst zu sein – ein Motto, das Dobrick seitdem befolgt.
Die Offenlegung von Dobrick kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Diskussion um Diversität im fußball an Fahrt gewinnt. Während im Frauenfußball die sexuelle Orientierung längst keine Rolle mehr spielt, herrscht im Männerbereich weiterhin ein großes Tabu. Vorbilder wie Thomas Hitzlsperger, der sich 2014 als erster deutscher Profi outete, haben den Weg geebnet, doch der Weg ist noch lang.
Dobrick, der seit Sommer 2025 beim FC St. Pauli arbeitet, war zuvor bei RB Salzburg, der TSG Hoffenheim und Holstein Kiel tätig. Er hofft, dass sein Schritt andere betroffene Menschen ermutigt, ebenfalls offen zu leben und sich nicht länger verstecken zu müssen.
Die Reaktion in der Fußballwelt ist gemischt. Während viele zu Dobrick aufblicken und ihn für seinen Mut loben, gibt es auch weiterhin verurteilende Stimmen. Es bleibt abzuwarten, ob sich die Mentalität im Profifußball tatsächlich ändert.
Alexander Wehrle, der Vorstandsvorsitzende des VfB Stuttgart, ist ein bekanntes Beispiel für einen offen schwulen Funktionär im deutschen fußball. Seine öffentliche Sichtbarkeit zeigt, dass ein offenes Leben im fußball möglich ist – auch wenn es noch nicht die Regel ist.
Die Zahl der Homosexuellen unter Fußballprofis in der Bundesliga ist unbekannt. Dobricks Schritt könnte aber einen Dominoeffekt auslösen und weitere Spieler dazu bewegen, sich zu outen – ein wichtiger Schritt hin zu mehr Akzeptanz und Vielfalt im Sport.