Leverkusen: 117 millionen euro auf der bank – ein desaster?
Bayer Leverkusen präsentiert sich in der Rückrunde als Schatten der eigenen Ambitionen. Die Pokal-Pleite gegen Bayern München war nicht nur eine Niederlage, sondern ein erschreckendes Spiegelbild der Probleme im Kader – und der fragwürdigen Transferpolitik des Sommers 2025.

Die bank ist voller stars, das spielfeld leer
Die erste Halbzeit gegen die Bayern war ein Rätsel. Ein erkennbarer Plan fehlte, die Zweikämpfe wurden verloren, und der Weg in die gegnerische Hälfte schien ein unerreichbares Ziel. Ein Klassenunterschied, der sich in der deutlichen 0:2-Niederlage niederschlug. Doch was wirklich alarmierte, war die Bank. Dort saßen Spieler, für die der Verein ein Vermögen investiert hat: Malik Tillman, Loic Badé und Eliesse Ben Seghir – zusammen satte 117 Millionen Euro. Und Trainer Kasper Hjulmand sah keine Verwendung für sie.
Dieses Problem ist kein Einzelfall. Schon in der Vergangenheit blieben teure Neuzugänge auf der Tribüne, doch gegen die Bayern erreichte die Situation einen neuen Tiefpunkt. Bayer Leverkusen hat im vergangenen Sommer einen kompletten Umbruch vollzogen, die Kassen wurden für fünf neue Spieler tief geöffnet: Tillman (35 Millionen Euro), Jarell Quansah (35), Ben Seghir (32), Fernández (25) und Badé (25). Nur Quansah hat sich im Stammelf etabliert. Das Quartett um Tillman, das zusammen 117 Millionen Euro gekostet hat, durfte kaum Einsatzzeit sammeln – und das in einem der wichtigsten Spiele der Saison.
Die Hoffnungen waren groß – die Abgänge von Spielern wie Jonathan Tah, Granit Xhaka, Florian Wirtz und Jeremie Frimpong sollten durch diese neuen Stars zumindest teilweise aufgefangen werden. Doch das ist kläglich gescheitert. Viele der teuren Neuzugänge spielen selten bis gar nicht, was ein wesentlicher Grund für die enttäuschende Rückrunde ist. Die Mannschaft fehlt es an Konstanz, an echter Dominanz und an spürbarer Energie.
Wer trägt die Schuld an diesem Kader-Dilemma? Formal liegt die Verantwortung bei Simon Rolfes, dem Geschäftsführer Sport. Doch ob ihm tatsächlich die volle Schuld zuzuweisen ist, bleibt fraglich. Viele Spieler finden unter Hjulmand schlichtweg keine Berücksichtigung. Und das 117-Millionen-Euro-Quartett ist kein Einzelfall. Talente wie Axel Tape und Tim Oermann, der erst im Januar zurückgeholt wurde, verschwinden im Profikader.
Die Frustration im Kader ist spürbar. Von den 15 Neuzugängen haben nur Quansah, Ibrahim Maza und Christian Kofane wirklich Fuß gefasst. Die Integration stockt, und Einsatzzeiten sind die Ausnahme, obwohl das Potenzial unbestritten ist. Spieler wie Badé, der nach Leverkusen kam, um sich im französischen Nationalteam zu etablieren, und Fernández, der auf Einsätze für Argentinien schielte, werden ihrer Möglichkeiten beraubt.
In den verbleibenden vier Bundesliga-Spielen ist eine grundlegende Änderung der Gemengelage kaum zu erwarten. Hjulmand schöpfte in den jüngsten Partien sein Wechselkontingent nicht einmal aus und verzichtete gegen München sogar auf die Möglichkeit, hochpreisigen Neuzugängen Spielzeit zu gewähren. Besonders deutlich wird das am Beispiel von Ben Seghir: 32 Millionen Euro für gerade einmal 196 Minuten Spielzeit in dieser Saison.
Ein schwieriges Jahr war nach dem großen Umbruch im Sommer 2025 durchaus einkalkuliert. Doch das Pokal-Halbfinale machte deutlich, wie groß der Abstand zu den Top-Teams wirklich ist. Bayern München ist meilenweit entfernt, auch Borussia Dortmund hat sich mit zwölf Punkten Vorsprung abgesetzt. Selbst RB Leipzig steht trotz eines eigenen Kaderumbruchs besser da. Hjulmands Aussage nach dem Pokal-Aus, die Mannschaft sei „auf einem guten Weg“, wirkt angesichts der Fakten grotesk. Die Leverkusener haben 117 Millionen Euro investiert – und erhalten dafür ein Team, das mehr Fragen aufwirft als Antworten liefert. Die Saison endet mit großer Wahrscheinlichkeit auf einem enttäuschenden sechsten Platz. Die Frage ist nicht, ob ein Umbruch notwendig ist, sondern wann.