Handball-wm 2027: gíslason setzt auf neue generation – kritik, zweifel und der kampf gegen dänemark
Nach dem EM-Silber im Januar steht die deutsche Handball-Nationalmannschaft vor einem neuen Kapitel. Bundestrainer Alfred Gíslason (66) hat seinen Kader für einen DHB-Lehrgang in Dortmund nominiert, inklusive zwei Testspiele gegen Ägypten. Der Startschuss für den Countdown zur Heim-Weltmeisterschaft 2027 in Deutschland.
Kritik, anerkennung und der blick nach vorn: gíslason spricht offen über die herausforderungen.
Die EM-Bilanz war zwar positiv, doch die Diskussionen um Gíslason waren intensiv. Kritische Stimmen in Podcasts und öffentliche Zweifel begleiteten die Mannschaft. Im SPORT BILD-Interview nimmt der Coach die Kritik auf, spricht über die Entwicklung der Mannschaft, die mögliche Vertragsverlängerung und die Frage, was Deutschland braucht, um die dominierenden Dänen zu schlagen.
„Ich freue mich über das Silber. Vor allem über die Leistung – wie wir gegen Spanien, Portugal, Norwegen, Kroatien und Frankreich gespielt haben, war deutlich stabiler als zuvor“, sagt Gíslason. „Man muss es sich verdienen, solche Spiele zu gewinnen. Wir waren auch im Finale knapp dran. Aber die fünf Prozent haben gefehlt, um dänemark zu schlagen. Und die sind einfach so gut – leider.“
Der Coach reflektiert über den EM-Moment nach der Niederlage gegen Serbien und dem anschließenden Sieg gegen Spanien. „Das Serbien-Spiel hat der Mannschaft viel gegeben. Wir haben dort einen riesigen Fehler gemacht – in der Haltung. Und ich nehme mich da mit rein. Wir waren sehr zuversichtlich in der Pause. Wir hatten deutlich geführt. Mit ein wenig mehr Konzentration gewinnen wir ohnehin – so war die Stimmung in der Kabine. Aber die Mannschaft war nicht reif genug. Serbien war dann besser.“
Die öffentliche Kritik an seinem Traineramt, insbesondere von Spieler Juri Knorr, wurde von Gíslason gelassen zur Kenntnis genommen. „Mit Juri habe ich klar gesprochen. Offenheit ist mir lieber als Schweigen. Bei uns müssen die Spieler selbst erklären, was der Plan ist.“ Er betont, dass die Mannschaft eine neue Generation repräsentiert, die noch viel Potenzial hat.
Die Vorbereitung auf die Testspiele gegen Ägypten verlief intensiv. Gíslason hat das gesamte Turnier noch einmal analysiert und die besten Szenen herausgepickt. „Offensiv haben wir im Turnier mit Geduld, mit Weiterspielen, mit Variabilität deutlich besser gespielt als zuvor. Man merkt, dass es intern immer besser passt. Die Jungs lernen sich immer besser kennen.“
Ein besonderes Augenmerk liegt auf dem jungen Mittelmann Rasmus Ankermann, der als Trainingsgast eingeladen wurde. „Er ist ein überragendes Talent. Er spielt auf der Mitte, kann auch Druck auf links machen. Es ist eine Anerkennung – für ihn und für diese Generation.“
Mit Andreas Wolff, dem Weltklasse-Torwart, wird in Ägypten nicht counten. Der Coach erklärt, dass Wolff eine Pause erhält, während jüngere Torhüter wie Lasse Ludwig und David Späth Verantwortung übernehmen. „David Späth muss in den Ägypten-Spielen auf Andreas Wolff verzichten. Es geht um Verantwortung.“
Der Blick auf die Heim-WM 2027 ist realistisch. „Mehr Reife im Spiel. Mehr Klarheit in bestimmten Momenten. dänemark hat mit Mathias Gidsel einen Spieler, der ein ganzes Turnier durchgespielt hat – acht Stunden, wenn man es hochrechnet – und im Finale noch Kraft hat. Bei uns ist nichts automatisch. Ein Halbfinale erreicht man nicht nebenbei. Man braucht ein starkes Turnier, sonst steht man nicht dort.“
Gíslason betont, dass er seinen Vertrag nicht verlängern möchte, aber auch nicht aufhören will. „Ich werde nicht aufhören. Ich bin eine Maschine.“
Die Stimmung im Team ist gut, die Arbeit intensiv. Die deutsche Handball-Nationalmannschaft hat eine neue Ära begonnen.