Ex-nationalspieler özil: von fußball-glanz zu türkischer politik – ein neues kapitel
Mesut Özil, einst als einer der besten deutschen Fußballer der Welt gefeiert, hat sich in den letzten Jahren aus dem Rampenlicht zurückgezogen – und eine überraschende neue Richtung eingeschlagen. Der ehemalige Weltmeister und Nationalspieler hat sich in der Türkei neu erfunden, eine Entscheidung, die sowohl Faszination als auch Kontroverse hervorruft.
Ein Telefonat mit dem 37-Jährigen, initiiert durch einen BILD-Reporter, offenbarte eine Welt jenseits der Fußballfelder. Nach jahrelangem Schweigen sprach Özil über sein neues Leben in Istanbul, seine Familie und politische Ambitionen. Das Gespräch, das nach acht Jahren Kontaktabbruch stattfand, lieferte Einblicke in eine Person, die sich radikal von ihrer Vergangenheit distanziert hat.
Der Weg führte Özil von Schalke 04 über Werder Bremen, Real Madrid und Arsenal zu Fenerbahçe Istanbul. Doch der sportliche Karriereabschnitt ist nur ein Teil der Geschichte. Die Entscheidung, sich in der Türkei niederzulassen, ist eng mit seiner türkischen Herkunft verbunden. Er gründete eine Fußballakademie, die nach dem Vorbild der besten Bundesliga-Nachwuchszentren konzipiert ist.
Doch Özils Engagement geht über den Sport hinaus. Er positionierte sich deutlich im Konflikt zwischen Israel und Palästina, indem er auf Instagram eine Karte teilte, die Israel durchstreicht und Palästina hervorhebt. Diese Haltung, kombiniert mit Treffen mit dem Sohn des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan, löste Kritik und Spekulationen aus.
Die Kontroverse um ein Tattoo mit Symbolen der rechtsextremen „Grauen Wölfe“ auf seiner Brust, das er nach seinem Karriereende zeigte, verstärkte die Debatte. Özil selbst sieht sich als Vermittler zwischen Deutschland und der Türkei, als jemand, der durch seine Erfahrungen beiden Ländern dienen möchte. Er hat sich aktiv in türkische Hilfsprojekte eingebracht und einen Teil seines Vermögens in diese Projekte investiert.
Die frühere Freundschaft zu seinem Vater Mustafa, der ihn einst beriet und sein Berater war, endete jedoch abrupt. Nach einer nicht näher genannten Auseinandersetzung über eine geplatzte Vertragsverlängerung bei Real Madrid brach der Kontakt ab – eine Distanz, die bis heute besteht. Stattdessen hat Özil eine enge Beziehung zu Präsident Erdoğan aufgebaut, der ihm und seinen Kindern als „Opa“ gilt.
Die Villa im Istanbuler Stadtteil Küçük Çamlica, die er für rund 20 Millionen Euro erwarb, ist nicht nur ein luxuriöses Zuhause.
Die Villa, die einst von Sitki Ayan, einem engen Vertrauten Erdoğans, bewohnt wurde, diente zunächst als temporärer Wohnsitz. Die Umgestaltung des Anwesens zu einer modernen Villa mit Fitnessstudio und Poolbereich unterstreicht Özils neues Leben. Nun plant er, eine Zweigstelle der Akademie auf Nordzypern zu eröffnen, ein Land, das international nicht anerkannt ist.
Die Zukunft von Mesut Özil ist ungewiss, doch eines ist klar: Er hat eine Weichenstellung vollzogen, die seine Karriere und sein öffentliches Image nachhaltig verändert hat. Sein Engagement für eine eigene Fußballakademie und seine politische Positionierung deuten auf eine neue Rolle hin, die weit über den fußball hinausgeht. Die Frage ist, ob dieser neue Weg ihm die Erfüllung bringt, die er gesucht hat.
Mesut Özil hat nicht nur einen Fußballplatz verlassen, sondern eine neue Identität gefunden – eine, die kontrovers diskutiert wird, aber zweifellos Aufmerksamkeit erregt.