Doping-skandal: kretschmer will handball retten – mit kolumne

Der Handball-Skandal um Nils Kretschmer ist noch nicht abgeschlossen. Doch statt im Schatten seiner Vergangenheit zu verschwinden, will der ehemalige Profi mit einer neuen Kolumne auf handball-world einen Beitrag zur Zukunft der Sportart leisten. Ein mutiger Schritt, angesichts der persönlichen und sportlichen Konsequenzen.

Kretschmer nimmt die verantwortung auf sich

Kretschmer räumt offen ein, den gravierendsten Fehler seines Lebens begangen zu haben: Dopingsubstanz-Einnahme, die seine über 25-jährige Karriere beendete. „Ich wollte nie betrügen“, gesteht der 33-Jährige. „Ich dachte naiv, Spritzen könnten meine Knie heilen.“ Die Strafe war hart, die Zeit danach eine Zäsur. Doch die Leidenschaft für den Handball ist ihm erhalten geblieben. „Die Heim-WM ist eine Chance, die wir nicht verpassen dürfen.“

Die kommenden 18 Monate werden für den deutschen Handball entscheidend sein. Die Frage ist, ob die Sportart die Chance nutzt, sich auf neuen Wegen zu präsentieren. Kretschmer sieht hier großes Verbesserungspotenzial, insbesondere in den Bereichen Social Media, Marketing und Vermarktung. „Viele Bundesligisten präsentieren ihre Social-Media-Kanäle noch amateurhaft.“ Und Klubs sowie Nationalspieler scheinen ihr Vermarktungspotenzial zu unterschätzen.

Social media als zweites standbein

Social media als zweites standbein

Kretschmer hat sich während seiner aktiven Zeit erfolgreich eine Online-Präsenz aufgebaut. Heute folgen ihm auf Instagram über 428.000 Menschen – mehr als jeder aktive Handballspieler. Er sieht darin eine Möglichkeit, die Verbindung zur Fans zu stärken und neue Wege der Kommunikation zu gehen. Seine Kolumne soll Klubs, Spielern und Verbänden Denkanstöße geben, wie sie diese Kanäle besser nutzen können.

„Meine Vergangenheit ist nicht mit Bleistift gezeichnet, ich kann sie nicht ausradieren“, schreibt Kretschmer. Mit seiner Kolumne möchte er den Stift für die Zukunft aufsetzen. Er will die Diskussion anregen, wie der Handball die große Chance der Heim-WM nutzen kann, um sich einem breiteren Publikum zu präsentieren. Denn die Zeit drängt – die nächste große Bühne steht vor der Tür, und die Frage ist, ob der Handball bereit ist.

Die Faszination für den Handball ist für ihn ungebrochen. Sein Engagement zeigt, dass selbst nach einem tiefen Fall der Wille zur Veränderung und zur Gestaltung der eigenen Zukunft bestehen kann. Kretschmer ist ein lebendes Beispiel dafür, dass man aus Fehlern lernen und sich neu erfinden kann – und dabei auch noch einen Beitrag für die Sportart leisten kann, die einem so viel bedeutet hat.

Kretschmer spielte über zehn Jahre in der 2. Bundesliga. Seine Karriere endete abrupt, doch seine Stimme im Handball ist weiterhin gehört – und das ist mehr als nur eine persönliche Leistung.

n