Torhüter Daniel Heuer Fernandes (32) ist einer der Aufstiegshelden des Hamburger SV – und zeigt auch in der aktuellen Bundesliga-Saison starke Leistun
Torhüter daniel heuer fernandes (32) ist einer der aufstiegshelden des hamburger sv – und zeigt auch in der aktuellen bundesliga-saison starke leistungen.
In der Rubrik gehaltene Torschüsse ist er hinter Bayerns Schlussmann Manuel Neuer (39) der Zweitbeste. Im großen SPORT BILD-Interview spricht die HSV-Nummer 1 über seine aktuelle Situation und wie er seine Zukunft plant, denn 2026 läuft sein Vertrag aus.
SPORT BILD: Herr Heuer Fernandes, welches Gefühl haben Sie vor einem Heimspiel wie beim 4:0 gegen Mainz beim Gang Richtung Nordtribüne?
Daniel Heuer Fernandes: Heimspiele werden nie Normalität sein, sie sind immer etwas Besonderes. Diese unglaubliche Stimmung – bereits vor dem Spiel – muss man unbedingt intensiv aufsaugen, sie ist einfach geil. Unsere Fans sorgen für eine unglaubliche Wucht, die auch Einfluss auf den Gegner haben kann. Das müssen wir nutzen, diese Unterstützung brauchen wir, um unser Ziel Klassenerhalt zu erreichen.
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Im Fußball lautet eine Stammtisch-Weisheit: „Linksaußen und Torhüter haben eine Macke.“ Ist das nur ein Klischee, oder steckt ein Stück Wahrheit in der Aussage? Wenn du dich von deinen Gegenspielern im Spiel und deinen Mitspielern im Training permanent mit Höchstgeschwindigkeit abschießen lässt, dann musst du schon ein bisschen verrückt sein. Es gibt viele HSV-Fans, die sagen: Wir haben einen „Neuer Fernandes“, weil Sie aus deren Sicht Ihre beste Saison spielen. Haben die Anhänger recht?
Im Moment habe ich ein gutes Händchen (lacht). Doch ob es die Beste ist? Das ist schwer zu beurteilen. Denn die vergangene Saison war auch gut von mir. Fakt ist: Ich fühle mich einfach richtig gut und bin froh, dass ich die derzeitige Form habe, der Mannschaft helfen kann. Als Torwart ist es nun mal unsere Aufgabe und das Wichtigste, Bälle zu halten. Gibt es Dinge, die man sich von Kollegen abschaut – zum Beispiel von Manuel Neuer vom FC Bayern?
Manuel Neuer hat – was das Torwartspiel betrifft – vieles über Jahre auf das nächsthöhere Niveau gebracht. Ich habe mir sehr viele Videos von ihm angeschaut. Zum Beispiel was die Positionierung in einem Spiel beim gegnerischen Ballbesitz betrifft, das Antizipieren. Aber ich weiß, dass viele Sachen, die er macht, nicht einfach eins zu eins zu übernehmen sind. Weil er einzigartig ist. Deswegen schaut man sich von einigen Torhütern etwas ab.
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Das sind deutliche Worte! Mark Bellingham wurde heftig kritisiert. Von wem noch? Von Gianluigi Donnarumma etwa (u.a. Europameister mit Italien, jetzt bei Man City; d. Red.). Der ist brutal gut auf der Linie und strahlt eine unglaubliche Ruhe aus. Oder von vielen Kollegen in der Bundesliga.
Hatten Sie als Jugendlicher ein Idol? Ich hatte nie ein Idol nach dem Motto: So wie er will ich ebenfalls werden. Als Orientierung für mich galten Torhüter, die für Bochum im Tor standen, als ich in der Jugend des VfL spielte und bei den Spielen der Profis gelegentlich als Balljunge im Einsatz war. Ich stand hinter dem Tor und schaute etwa bei Jaroslav Drobny genau hin, wie er agierte, wie er es schaffte, in die Bundesliga zu kommen.
Sie sind seit 2019 beim HSV, haben nach Bakery Jatta die zweitmeisten Spiele aus dem aktuellen Kader bestritten. Welche Bedeutung hat das für Sie?
Ich bin stolz darauf, das ist auf einer so speziellen Position wie der des Torwarts nicht immer einfach und alltäglich. Der letzte Torhüter, der in den vergangenen Jahrzehnten als Nummer 1 so lange für den HSV im Kasten stand, war Richard Golz (von 1987 bis 1998). Das ist etwas Außergewöhnliches, wenn danach mein Name fällt.
Ihr Vertrag läuft 2026 aus. Sehen Sie Ihre sportliche Zukunft also beim HSV?
Wir haben erst den sechsten Spieltag hinter uns und noch einen weiten Weg zu gehen, um unser Ziel zu erreichen – darauf liegt aktuell mein Fokus. Natürlich kann ich mir meine Zukunft in Hamburg vorstellen. Ich bin froh, hier zu sein, darum ist der HSV immer eine naheliegende Option für mich. Weil Sie Bundesliga spielen wollen. Ja. Wie gesagt, ich sehe das Thema Vertragsverlängerung deshalb aktuell nicht als Prio Nummer 1, zumal darüber mit den Verantwortlichen auch noch nicht gesprochen wurde.
Vor der Saison holte der HSV Daniel Peretz vom FC Bayern, der den Anspruch hat, als Nummer 1 Bundesliga zu spielen. Waren Sie von der Verpflichtung überrascht?
Nein, weil mir in den Gesprächen gesagt wurde, dass noch ein neuer Torhüter kommen wird. Mit Matze und Tom (Matheo Raab und Tom Mickel) haben zwei erfahrene Keeper den Verein im Sommer verlassen. Der Konkurrenzkampf ist wichtig, pusht jeden, er macht das Niveau im Training und das der ganzen Mannschaft besser.
Sie genießen einen großen Bekanntheitsgrad. Dennoch waren Sie zuletzt auf einem Hamburger Straßenfest in der Menschenmenge zu sehen. Wie wichtig ist ein bodenständiges Leben für Sie?
Der HSV steht immer im Mittelpunkt in der Stadt, darum ist die Aufmerksamkeit natürlich groß. Doch nur weil ich Fußball-Profi bin, werde ich mich nicht verändern. Ich bleibe immer der, der ich auch früher gewesen bin. Deswegen ist es für mich wichtig, dass ich ein normales Privatleben führe, denn ich gehe gerne mit meiner Familie raus. Darum bin ich bei Events wie bei dem Straßenfest anzutreffen – sofern es der Zeitplan zulässt.
+++Heuer Fernandes spricht auch über sein Handschuhgeheimnis. „Das Werkzeug – also die Handschuhe – sind enorm wichtig. Ich habe einen sehr guten Ausrüster (CHNO). Rund 40 Paar pro Saison verbrauche ich. Ich benutze in jedem Spiel ein neues Paar und verwende es dann anschließend in der Trainingswoche. Zudem wasche ich die Handschuhe einen Tag vor dem Spiel“, erklärt Hamburgs Torhüter.
Und weshalb macht es der Keeper? „Damit sie anschließend gut trocknen können. Denn Handschuhe müssen für mich immer trocken sein. Zudem verwende ich beim Aufwärmen nicht das Paar, das ich später im Spiel trage. Erst zum Spiel wird dann das nigelnagelneue Paar angezogen“, sagt Heuer Fernandes.