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Rivalität auf der Bobbahn: Francesco Friedrich und Johannes Lochner im Interview

Die rivalität auf der bobbahn

Seit gut zehn Jahren liefern sich Francesco "Franz" Friedrich (35) und Johannes "Hansi" Lochner (35) harte Duelle im Eiskanal. Zuletzt gab es neben dem Sport Zündstoff: Friedrich hatte bei Lochners Top-Anschieber Georg Fleischhauer (37) angefragt. Das empfand Lochner als Abwerbungsversuch. Im Gegenzug holte Lochner den langjährigen Friedrich-Anschieber Thorsten Margis (36). Zuletzt sorgte auch der Doping-Fall gegen Simon Wulff (24) aus dem Friedrich-Team für Ärger. Da dieser gesperrt wurde, verlor Friedrich einen Zweier-Weltcupsieg und den Gesamtweltcup-Triumph – und zwar an Lochner.

Aussprache nach den konflikten?

Aussprache nach den konflikten?

SPORT BILD: Herr Friedrich, Herr Lochner, gibt es nach den Konflikten jetzt eine Aussprache?
Friedrich: Das regeln wir am Startbalken!
Lochner: Das ist der beste Weg.

Mega-fanmarsch in leipzig

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Bundestrainer rené spies fordert ruhe

Bundestrainer rené spies fordert ruhe

Bundestrainer René Spies (52) fordert, dass es in der Olympia-Saison keine Streitigkeiten gibt. Halten Sie sich daran?
Friedrich: Wir sind beide schon lange genug dabei, um zu wissen, wann wir den Bogen überspannen – und wann nicht.

Übergabe der kristallkugel

Übergabe der kristallkugel

Herr Friedrich, wie lief die Übergabe der Kristallkugel für den Gesamtweltcupsieg an Ihren Kontrahenten ab?
Friedrich: Ich habe sie ihm in Cortina an der Olympia-Bahn übergeben und ihm gesagt, dass er so überhaupt mal eine Trophäe oder was Goldenes aus Cortina mitnehmen kann.
Lochner: Mir war es relativ egal, ob ich die Kugel noch bekomme. Ich finde solche nachträglichen Siegerehrungen immer relativ affig. Ich mache den Sport für den Moment.

Verarbeitung des doping-falls

Verarbeitung des doping-falls

Wie konnten Sie den Verlust von Wulff verarbeiten?
Friedrich: Wir haben uns damit ja bereits länger beschäftigen können und wussten, dass es höchstwahrscheinlich zur Sperre kommen würde. Die anderen im Team sind topfit, und wir haben Deals mit Nachwuchsleuten gemacht.

Thorsten margis im team lochner

Thorsten margis im team lochner

Johannes Locher hat sich Ihren früheren Anschieber Thorsten Margis ins Team geholt. Weiß der zu viel über Sie, sodass er dem Konkurrenten was verraten kann?
Friedrich: Sicherlich wird es Kleinigkeiten geben, die wir über die Jahre zusammen zelebriert haben. Die wird er jetzt mitnehmen. Die Frage bleibt, ob Hansi das alles auch annehmen wird und auch so macht. Es ist vollkommen in Ordnung, dass Thorsten diesen Weg gegangen ist.

Rivalität als antrieb

Seit 2015 fahren Sie gegeneinander. Spornt Sie diese Rivalität an?
Lochner: Ich glaube, wenn es den Francesco nicht geben würde, wäre ich irgendwo im Mittelfeld. Denn ich würde nur so hoch springen, wie ich müsste. Ich sehe ja auch, wie er durchdreht, wenn ich vorn bin. Davon profitiert sogar das gesamte deutsche Team inklusive der Frauen, weil wir die Materialentwicklung so pushen. Unser Know-how ist riesig. So dominieren wir mit drei Männern und drei Frauen alles im Weltcup.

Austausch und geheimhaltung

Tauschen Sie sich auch aus – oder halten Sie alles vor dem anderen geheim?
Friedrich: Das kommt auf die Gesamtsituation an: Wie nah sind die anderen Nationen an uns dran? Müssen wir uns austauschen, um die auf Distanz zu halten? Außerdem kommt es auf die Bahn an. Wenn einer überhaupt nicht zurechtkommt, geht der andere schon zu ihm hin, und dann reden wir darüber.
Lochner: Die Grundentwicklung machen wir Hand in Hand. Was wir da im Hintergrund an Austausch von Testergebnissen abfeuern, davon können die anderen Nationen nur träumen. Aber wenn am Ende des Tages ein Rennen ist, macht jeder sein eigenes Ding. 90 bis 95 Prozent sind wir vom Bob gleich, die letzten fünf bis zehn Prozent entscheidet das Set-up. Das und die Tagesform ergeben dann, wer vorn liegt.

Tausch der bobs

Könnten Sie die Bobs einfach tauschen?
Lochner: Wir sind sehr unterschiedliche Fahrtypen. Die Mechaniker müssten alles umbauen. Wir sind körperlich komplett anders, auch unsere Lenkübersetzung ist vom Set-up unterschiedlich.

Eigenschaften des gegners

Welche Eigenschaft hätten Sie gern vom anderen?
Friedrich: Das naturgegebene Talent von Hansi. Dass ich einfach beim ersten Mal eine Bahn runterfahre, als wäre ich da schon immer gefahren. Ich muss mir das immer härter erarbeiten.
Lochner: Ich hätte auf jeden Fall gern etwas von seiner Schnellkraft. Ich gehe da schon mal kaputt, wenn ich ans Limit gehe. Athletisch ist Franz einer der Besten, die wir jemals hatten.

Startvorteil

Wer ist am Start besser?
Friedrich: Das hängt von der Startstrecke und den Anschiebern ab. Es ist immer eine Teamleistung. Einzelstarts haben wir nicht gemacht.
Lochner: Gerade im Vierer gibt es schon Starts, nach denen wir dastehen und über Francescos Team sagen: Wie zum Teufel sind die so schnell?

Materialentwicklung

Wie geht es bei Ihnen weiter?
Lochner: Ich habe ab Tag eins einen Plan, werde weiter als selbstständiger Elektroingenieur arbeiten. Das habe ich bisher nur im Sommer gemacht und werde es ausbauen. Mal sehen, wie es meine Frau finden wird, wenn ich jetzt das ganze Jahr daheim und im Doppelbett sein werde.
Friedrich: Ich will gern der Bundespolizei treu bleiben und, wenn es geht, natürlich auch dem BSD (Bob-Verband; d. Red.). Vielleicht als Trainer.

Olympia 2022

Bei Olympia 2022 siegte Francesco Friedrich (3. v. l.) mit Thorsten Margis. Johannes Lochner (l.) holte Silber mit Florian Bauer (2. v. l.). Rechts: Das Bronze-Duo Christoph Hafer und Matthias Sommer

Weltmeisterschaft 2017

Wenn Ihnen das Szenario für Olympia garantiert wäre, würden Sie es unterschreiben – oder wollen Sie allein das Gold haben?
Friedrich: Dazu muss ich erst einmal den Weltcup in Cortina fahren. Dann können wir darüber noch einmal reden.
Lochner: Die Hochspringer haben das doch 2021 in Tokio gemacht. Franz, wie wäre es: Wenn wir nach drei Läufen zeitgleich sind, schenken wir uns den vierten… Dann nehmen wir es und fahren heim.

Pläne nach olympia

Johannes Lochner hört nach Olympia auf, wie sehen Ihre Pläne aus?
Friedrich: Das wird nach den Spielen daheim am Tisch mit der Familie entschieden. Da nehme ich mir ein, zwei Monate Bedenkzeit, wie es weitergeht.

Zukunftspläne

Wie geht es bei Ihnen weiter?
Lochner: Ich habe ab Tag eins einen Plan, werde weiter als selbstständiger Elektroingenieur arbeiten. Das habe ich bisher nur im Sommer gemacht und werde es ausbauen. Mal sehen, wie es meine Frau finden wird, wenn ich jetzt das ganze Jahr daheim und im Doppelbett sein werde.
Friedrich: Ich will gern der Bundespolizei treu bleiben und, wenn es geht, natürlich auch dem BSD (Bob-Verband; d. Red.). Vielleicht als Trainer.