Bayern-Spieler im DFB-Team: Historische Aufstellungen und Zukunftsperspektiven
Meine bayern
Die Kolumne "Meine Bayern" von SPORT BILD-Reporter-Legende Raimund Hinko befasst sich mit dem deutschen Rekordmeister. Hinko begleitet den FC Bayern seit Jahrzehnten.
Liebe Freunde der Nationalmannschaft, es war wie in guten alten Zeiten, als am Freitag gegen Luxemburg dem Bayern-Partron Uli Hoeneß wieder das Herz aufging. Weil mit Joshua Kimmich, Jonathan Tah, Leon Goretzka, Aleksandar Pavlovic und Serge Gnabry nach einer gefühlten Ewigkeit wieder mal fünf Bayern-Spieler einliefen, was sich in Nordirland wiederholte – und was historisch war, dass Bundestrainer Julian Nagelsmann, der Ex-Bayerntrainer, seine Aufstellung nicht postwendend korrigierte. Er lag so richtig damit, wurde mit dem 1:0-Sieg im Hexenkessel von Belfast belohnt.
Mini-Land bei WM dabei!: Der historische Moment der "Blauen Haie" im Video03:24Quelle: Sportdigital13.10.2025
Die älteren Fans fühlten sich erinnert an das WM-Finale 1974 gegen die Niederlande, als mit Sepp Maier, Franz Beckenbauer, Katsche Schwarzenbeck, Paul Breitner, Uli Hoeneß und Gerd Müller gleich sechs Bayern beim 2:1 gegen Holland Weltmeister wurden. Jene, die zwei Jahre vorher Europameister geworden waren. Die jüngeren fühlten sich erinnert an Manuel Neuer, Philipp Lahm, Jerome Boateng, Bastian Schweinsteiger, Toni Kroos und Thomas Müller, also ebenfalls sechs, die in der Finalelf gegen Argentinien standen, wo mit Mario Götze ein siebter Bayernspieler eingewechselt wurde, der Schütze des 1:0-Siegtreffers gegen Argentinien. Niemand also trägt die Nase zu hoch, der behautet: Die Nationalmannschaft kann am ehesten mit einem fundamentalen Bayern-Block, Spieler mit dem legendären Sieger-Gen der 125-Jahre-Bayern, große Titel gewinnen.
Mehr zum Thema: Auch zwei Ex-BVB-Stars im Ranking: Sport-Magazin nennt Wirtz als Transfer-Flop Nr. 1
Nach bisher 7 Liga-Spielen steht für ein Magazin fest: Wirtz ist Englands Transfer-Flop.
Wie geht es für die Bayern-Leihgabe weiter?: Peretz denkt an HSV-Abschied – jetzt äußert sich Kuntz
HSV-Leihkeeper Daniel Peretz machte seinem Bank-Frust Luft. Nun kommt die Antwort.
Mit Jamal Musiala kommt in der Rückrunde der sechste Münchner dazu. Er wird vor allem in der DFB-Elf schmerzlich vermisst. Niemand zweifelt an seiner Weltklasse, vielleicht gewinnt er 2026 sogar den Ballon d’Or. Und auch immer weniger zweifeln daran, dass Manuel Neuer, der Wichtigste von allen, trotz seines Rücktritts wieder im deutschen Tor stehen wird. Trotz seines großartigen Vertreters Oliver Baumann. Wohl auch Bundestrainer Julian Nagelsmann kann sich mittlerweile mit dem Gedanken anfreunden. Das wären dann also sieben Bayern, Steigerung möglich, wenn… Nein, lassen wir das. Obwohl Karim Adeyemi vom BVB ja aus der Bayern-Jugend stammt. Obwohl Nico Schlotterbeck vom BVB und die Bayern sich immer näher kommen. Es müssen ja nicht gleich acht Münchner sein, wie 2011 beim 3:2 in Stuttgart gegen Brasilien, einem Freundschaftsspiel, wo Neymar erst in der 90. Minute der Anschlusstreffer gelang.
Dennoch haben sich sogar von euch, den treuen Freunden der Nationalmannschaft, viele gewundert, warum das Spiel gegen Luxemburg so in den Fußball-Himmel gehoben wurde. Vor allem von der ARD, die live übertrug. Es war ein monotones Anrennen gegen eine Mannschaft, die von sich behauptet (auch andere kommen zu diesem Urteil), kein Fußballzwerg mehr zu sein. Doch ein schmuckloses 4:0, wenig rausgespielte One-Touch-Chancen gegen einen Gegner, der ab der 20. Minute nach einer Roten Karte nur noch zu Zehnt auf dem Platz stand, das ist dünn. "Gute Nacht" bei 85 zu 15 % Ballbesitz und bei 31:1 Torschüssen. Diesen Luxemburgern hätten die Weltmeister von 1974 oder 2014 zehn Stück eingeschenkt. Gottlob spielt das Torverhältnis wohl doch keine Rolle.
Held des Abends war jedoch kein Ur-Bayer. Doch für den norddeutschen Nick Woltemade wäre es höchstwahrscheinlich besser gewesen, noch heftiger auf einen Wechsel zu Bayern zu drängen, so munter und raffiniert er in Newcastle auch aufspielt und trifft. Im Bayern-Block lebt es sich in der Nationalelf leichter. Auch wenn es für ihn spricht, dass er sein erstes Tor für Deutschland in einem sehr wichtigen Spiel erzielte, auch wenn es schon sein sechstes Länderspiel war. Und es spricht sehr für Nagelsmann, dass er an diesem riesengroßen Spieler, Talent und Kämpfer auch nach weniger glanzvollen Auftritten unerschütterlich festhielt.
Lustiger Moment: Plötzlich umarmt Müller DIESE Reporterin00:44Quelle: BILD / MLS13.10.2025
Doch bei Bayern hätte Woltemade Ähnliches erlebt wie der 20jährige Ex-Hoffenheimer Tom Bischoff, der von Trainer Vincent Kompany gerade gnadenlos das Sieger-Gen eingetrichtert bekommt. Jedem noch so aussichtslosen Ball muss er nachrennen. Bis er zeitweise völlig entnervt ist. Und sich jetzt sogar leichte Hoffnungen machen darf, eventuell noch vor der WM einen Anruf von Nagelsmann zu bekommen. Wäre ja praktisch, mit einem noch größeren Bayern-Block zur WM zu fahren. Bischof muss ja kein Stammspieler sein. Auch am Samstag im Gipfel gegen Borussia Dortmund ist Kompany glücklich, einen hungrigen Mann auf der Bank zu wissen, einen, der mit den Hufen scharrt.
Auch Joshua Kimmich, bei Nagelsmann zum unumstrittenen, rhetorisch bewanderten, klugen Kapitän aufgestiegen, profitiert vom Bayern-Trainer. Mittlerweile ist es fast egal, ob er Rechtsverteidiger spielt wie gegen Luxemburg und Nordirland – oder im Mittelfeld auf der Sechs. Die Rollen verwischen sich. Kimmich spielt in einem Spiel oft beide Rollen. Auch das ist die Handschrift von Vincent Kompany und auch die von Nagelsmann. So gesehen hat die Nationalmannschaft sogar zwei Bundestrainer! Diese Konstellation gab es so noch nie. Und Hoeneß lächelt zufrieden.
Dem Bayern-Patriarchen wären sowieso am liebsten neun, zehn Spieler im DFB-Trikot. Doch dass Harry Kane für Deutschland Elfmeter schießt, das ist eines der wenigen Dinge, die der Kapitän der Engländer nicht kann. Wobei ja auch das, siehe das 2:0 gegen Luxemburg, der Kimmich kann.
Übrigens: Mit Manuel Neuer muss bei Bayern verlängert werden (sorry, mein wöchentlicher Gag).