Bayer Leverkusen und die politische Debatte um das Trainingsgelände in Monheim
Einführung
Die Stadt Monheim (47.060 Einwohner) und das geplante Trainingsgelände von Bayer Leverkusen sind in der Berliner Politik ein Thema geworden. Enge Vertraute von Bundeskanzler Friedrich Merz (70), darunter CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann (47), wurden von der Konzernspitze der Bayer AG und der Klubführung in das lokale Ärgernis eingeweiht.
Das trainingsgelände-projekt
Der Vizemeister will einen neuen Campus auf einem werkseigenen Gelände in Monheim errichten. Dies ist notwendig, weil die Plätze an der Arena in Leverkusen dem Ausbau der A1 zum Opfer fallen. Für das 120 Millionen Euro teure Trainingsplatz-Projekt würden keine Steuergelder benötigt. Trotzdem kann der Klub nicht einfach loslegen mit dem Bau.
Politische einmischung
Seit den NRW-Kommunalwahlen im September und der politischen Neuordnung in Leverkusens Nachbarstadt wird der Gegenwind für das geplante Gelände mit 12,5 Plätzen sowie Verwaltungs- und Funktionsgebäuden größer. Angetrieben vom lokalen CDU-Chef Markus Gronauer (55) hat der neue Stadtrat am Mittwoch vergangener Woche das Bauleitplanverfahren mit knapper Mehrheit (24:19 Stimmen, vier Enthaltungen) vorerst gestoppt.
Gespräche und kompromisse
In dieser Woche kommt es erneut zu Gesprächen zwischen den Fußball-Bossen und den Kommunalpolitikern. Ein Kompromiss soll erarbeitet werden. Für den Klub gibt es keine Alternative zu Monheim, nachdem in den vergangenen zehn Jahren bereits 70 Flächen geprüft worden waren.
Infrastruktur und sponsoring
Wie wichtig das Projekt für den Meister von 2024 und die Bayer AG ist, zeigen nicht alleine die Gespräche in der großen Politik. Nach Informationen von SPORT BILD gibt es konkrete Gedanken des Konzerns, sich als wichtiger Sponsor der Olympia-Bewerbung der Region Rhein-Ruhr zurückzuziehen, sollte die Politik das Campus-Projekt endgültig stoppen.
Reaktion der bayer ag
„Bayer fördert den Sport in Nordrhein-Westfalen seit mehr als 120 Jahren und zählt bis heute zu den größten Förderern, auch des paralympischen Sports in der Region. Deswegen unterstützen wir als Bayer AG und auch als Bayer 04 Leverkusen die Bewerbung des Landes für die Ausrichtung der Olympischen Spiele mit voller Überzeugung“, heißt es in einer Erklärung des Pharma- und Agrar-Konzerns auf Nachfrage von SPORT BILD. Dann folgt Klartext: „Allerdings kann eine solche Bewerbung nur dann erfolgreich sein, wenn die nötigen infrastrukturellen Maßnahmen auch umgesetzt werden können. Am Beispiel des Monheimer Campus sehen wir, mit welchen Herausforderungen schon der Bau eines Trainingszentrums mit Fußballplätzen verbunden sein kann. Wir setzen darauf, dass hier im Dialog mit allen Beteiligten eine Lösung gefunden wird, die ein gutes Beispiel für einen erfolgreichen Interessenausgleich abgeben kann.“
Stopp des planverfahrens
Zum Stopp des Planverfahrens hatte Gronauer bereits gesagt, dass es darum gehe, nicht „einen unserer letzten Grünzüge“ zu zerstören. Es sei „kein Nein zum Bayer-04-Leistungszentrum in Monheim überhaupt, sondern ein Signal: Wir brauchen eine überarbeitete Planung, die besser zu unserer Stadt passt.“
Mögliche alternativen
Der Vizemeister wird nun einen modifizierten Plan vorstellen. Möglich scheint eine abgespeckte Version des eh schon knapp bemessenen Campus, um weitere Grünzugteile zu erhalten. Kurios: Für das Grundstück gegenüber von Bayers Forschungsstandort „Crop Science“ liegt bereits eine Genehmigung für eine industrielle Bebauung vor. Einen Bürokomplex zu errichten, wäre kein Problem – ein Trainingszentrum für Profis, Frauen und Nachwuchs ist es derzeit schon.
Zukunftsperspektiven
Die Bayer AG hält ein weiteres scharfes Schwert in der Hinterhand, sollte das Projekt scheitern. Nach Informationen von SPORT BILD soll es sich dabei um eine mögliche Verlegung des Forschungsstandorts mit 2200 Mitarbeitern zurück nach Leverkusen handeln. Das Unternehmen bezeichnet solche Pläne in der aktuellen Stellungnahme als „Unsinn“, erklärt jedoch: „Wir schauen uns aber – wie an allen Standorten – regelmäßig sehr genau die Rahmenbedingungen an.“ Wie die in Monheim aussehen, liegt auch in den Händen der Kommunalpolitik.
Bürgerinitiativen
Eine im März gestartete Petition gegen das Gelände in Monheim hat rund 2500 Unterstützer. Die Petition der Befürworter kommt nach nicht einmal zwei Wochen auf über 14.000 Stimmen.